Eistreff und Albtherme: Aus der Sitzung des Kurbeirats am 19.7.2016

Nach Jahren des Tagens hinter verschlossenen Türen entschloss sich der Geschäftsführer der Kurverwaltungs - GmbH, Bürgermeister Franz Masino, nun einmal guten Willen zu demonstrieren. Die verschlossene Auster -der Kurbeirat- tagte öffentlich.

Doch zu viel durfte man sich von der öffentlichen Sitzung des Kurverwaltungsbeirats nicht erwarten.
Und natürlich tagte das Gremium zuvor nichtöffentlich.

Beratungsunterlagen wurden natürlich nicht vorher öffentlich zugänglich gemacht, weder im Veranstaltungskalender noch im Bürgerinformationssystem war etwas zu finden.
 

Pikant am Rande: Der Eingang des Rathauses war tatsächlich verschlossen. Nur durch den Nebeneingang (und ohne Hinweis auf diesen) konnte man der öffentlichen Sitzung beiwohnen.

 

Um was ging es?

1. Albtherme:

Der technische Leiter der Kurverwaltung Karle stellte die in Kürze beginnenden Sanierungsmaßnahmen betreffend Duschen und Dampfbad vor. Ca. € 200.000. Über konkrete Planungen, die in Summe den Steuerzahler rund € 3 Mio. kosten werden, wurde nichts berichtet. Die umfassenden Maßnahmen sollen jedoch zu Beginn 2017 anlaufen.

 

Berichtet wurde seitens des Bürgermeisters natürlich über die Erfolgsgeschichte der Millioneninvestitionen der vergangenen 10 Jahre in Höhe von rund 6 Mio., die dazu geführt hätten, dass der jährlich Zuschussbedarf sich von rund € 400.000 auf ein positives Ergebnis gedreht habe.

Und auch jetzt werde man mit ziemlicher Sicherheit ein positives Ergebnis erwirtschaften.
Ob der Bürgermeister die Bilanz 2015 oder das laufende Ergebnis 2016 meinte, ist dabei unklar.

Denn das sogenannte positive Ergebnis wurde 2014 erzielt.

Ähnliche Effekte verspricht sich die Kurverwaltung nun auch für diese Investitionen.

Bedarfsanalyse: "Die Saunagänger wollen halt nackt in den Garten".

Ob die Nackt-im-Garten-Saunagänger dies mit € 300.000 im Jahr höheren Eintrittspreisen honorieren werden, wird man leider erst 2019 erfahren - wenn die Erfahrungen aus 2018 gemacht wurden.

 

Dass dieses sogenannte positive Ergebnis 2014 mit ziemlicher Sicherheit nur dadurch zustande kam, dass die "Abschreibungen" und "Zinsen" der vergangenen Millioneninvestitionen in 2014 deutlich sanken, will man nicht unbedingt zur Kenntnis nehmen. Siehe hierzu den ausführlichen Bericht hier->

 

Angemerkt Teil 1:

Mangels Transparenz bzw. aufgrund gewollter Intransparenz kann dies nicht abschließend beurteilt werden. Zukunft Waldbronn geht jedoch davon aus, dass das operative Ergebnis der Albtherme - und darauf kommt´s an - sich sogar verschlechtert hat. 
Einblick gewährt nur die Bilanz der Kurverwaltungs-GmbH insgesamt:

Demnach reduzierten sich die Abschreibungen und Zinsen um rund € 200.000 gegenüber dem Vohrjahr (2013), während der Zuschuss der Gemeinde um rund 42.000 stieg. Abschreibungen und Zinsen dürften in erster Linie nur der Albtherme zuzuordnen sein. Denn Eigentümer der sonstigen Einrichtungen wie Eistreff ist die Gemeinde. Die Verlustpositionen der von der Kurverwaltung betriebenen Einrichtungen wie Kurhaus, Gesellschaftshaus, Freibad etc. sind u.a. hier-> enthalten.

Diesen rund 242.000 "Ergebnisverbesserung" (die nichts mit einer tatsächlichen Leistung der KV GmbH zu tun haben) ist es zu verdanken, dass die Kurverwaltungsgesellschaft  stolz einen Gewinn von rund 32.000 für 2014 verkünden konnte.

Zumal der Posten "Thermalwasserversorgung" mit einem Zuschussbedarf von rund € 130.000 nicht zu Lasten der Kurverwaltung eingerechnet wird, sondern nach wie vor von der Gemeinde aufgebracht wird. Bilanzkosmetik..."Es kann nicht sein, was nicht sein darf"


2. Eistreff:

 

Die Eintrittspreise für die Nutzer des Eistreffs steigen.

Es handelt sich, wie von Zukunft Waldbronn angenommen, um sehr geringe Steigerungen.

Bei Tageskarten um € 0,50. Ausgenommen Schüler. Bei dieser Gruppe gibt es keine Preiserhöhung.

Auch die Saisonkarten steigen im Preis. Um 5 Euro. Ausgenommen Familien.

Dass hier keine deutlicheren Preiserhöhungen machbar sind und Schüler sowie Familien (die eh schon mit höheren Kindergartengebühren konfrontiert werden) von Preiserhöhungen ausgenommen sind, ist vernünftig.

Das "Bauchgefühl" des Beirats war wohl diesbezüglich richtig, die geringfügigen Erhöhungen wurden einstimmig beschlossen.

Lediglich die Freien Wähler wiesen nochmals darauf hin, dass der Eistreff im Haushalt der Gemeinde eine erhebliche Verlustposition ( € 720.000!) darstellt.

Denn der Eistreff hat auch Wettbewerber in der näheren Umgebung - auf die hingewiesen wurde - und längerfristig gesehen bereits einen erheblichen Besucherrückgang zu verzeichnen - siehe hier->

Die Preiserhöhungen sollen € 17.000 an Mehreinnahmen erbringen, wenn die Besucherzahlen konstant bleiben. Wenn!

Dies konnte allerdings im öffentlichen Teil der Sitzung nicht geklärt werden. Von einer "Kalkulation" kann keine Rede sein.

Denn üblicherweise erstellt man zu einer "Kalkulation" 

- ein Mengengerüst: Welche Arten von Karten wurden wurden in den vergangenen 3 Jahren in 
  welcher Menge verkauft? Wie war die Entwicklung? 
- Welche finanziellen Auswirkungen haben dann voraussichtlich die vorgeschlagenen
   Eintrittspreise?

Es machte nun nicht den Eindruck, dass auf solchen Grundlagen die Sitzung vorbereitet wurde. Oder es war Gegenstand der nichtöffentlichen Sitzung und man wollte die Entwicklung der Besucherzahlen nicht veröffentlichen.

Angemerkt Teil 2:

Neben den o.a. Tagesordnungspunkten gab es noch den Punkt "Verschiedenes". Hier wurde von einer Aktion "Waldbronn blüht auf" berichtet, die sich quasi an die Gartenschau Bad Herrenalb anhängt.

 

Danach wurde die Sitzung geschlossen.

 

Fragen konnten von Bürgern nicht gestellt werden. Dies sah die Tagesordnung auch nicht vor. So bleiben die Fragen von Zukunft Waldbronn zunächst unbeantwortet:

  1. Warum wurden die Gewerke "Albtherme" nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern nur beschränkt? 

  2. Werden die weiteren kostspieligen Gewerke betreffend Albtherme öffentlich ausgeschrieben?

  3. Gibt es ein Mengengerüst für den Eistreff, wenn nein, wie wurden die € 17.000 Mehreinnahmen berechnet?

  4. Wird man nun aufgrund des geringen Interesses der Öffentlichkeit an der Sitzung messerscharf schließen, dass kein öffentliches Interesse vorhanden ist (die Tagesordnung gab ja nun nicht gerade spannende Themen vor) und zukünftig wieder hinter verschlossenen Türen tagen?

  5. Warum waren Gemeinderäte in der nichtöffentlichen Sitzung anwesend, die weder
    Beiräte noch stellvertretende Beiräte der Kurverwaltung sind?