Albtherme und die freie Marktwirtschaft: Wer bestimmt die Eintrittspreise?

Laut BNN vom 13.10.2018 "könne es nicht sein - so Bürgermeister (und Geschäftsführer der Kurverwaltung) Franz Masino - dass sich der Betrieb von den Kunden die Preise festschreiben liesse."
Mit dem Betrieb ist die Albtherme gemeint.

Offensichtlich sind viele Nutzer der Albtherme stinksauer, dass die Jahreskarten abgeschafft werden. Und damit Preiserhöhungen für die bisherigen Nutzer der Jahreskarten anstehen, sollten diese weiterhin mit hoher Frequenz die Albtherme besuchen wollen. Mittels "Wertkarten".

Auch offensichtlich wird durch die Argumentation  von Franz Masino, man müsse pro Eintritt € 13,-- generieren, dass die Kurverwaltung Probleme hat, ihren kalkulierten Umsatzzuwachs in Höhe von € 300.000 in 2018 zu erreichen. Denn dieser Umsatzzuwachs ist notwendig, damit sich die Millioneninvestitionen in die Albtherme rechnen. Den Umsatzzuwachs wollte die Kurverwaltung übrigens- bei Beibehaltung der Besucheranzahl- nur durch Preiserhöhungen erreichen.

Angedeutet hatte sich dies bereits in der Sitzung des Gemeinderats, siehe Bericht hier ->

Es sollte sich allerdings - nachdem die Marktwirtschaft Ende des 18. Jahrhunderts begründet wurde - zwischenzeitlich auch in Waldbronn herumgesprochen haben, dass der Preis von Angebot und  Nachfrage bestimmt wird.
Und nicht von der Wunschvorstellung des Kurdirektors oder des Beirats der Kurverwaltung, welchen Preis man erzielen müsse, um zumindest kostendeckend zu sein.

Das Angebot ist jedenfalls vielfältig: Und während die Albtherme für die Tageskarte inkl. Sauna € 22,50 aufruft, so bietet 

- das Albgaubad Ettlingen für € 15,50
- das Vierordtbad Karlsruhe für € 18,00
- das Europabad Karlsruhe für € 23,00
-
das Rotherma Gaggenau für € 25,50

die Tageskarte an.

Und der Kunde entscheidet letztendlich, ob die Albtherme ihren "Preis -auch Wert" ist.
Wer exklusive Preise aufruft, muss auch Exklusives bieten!

Hierzu sei folgendes angemerkt:
1. Ist die Vermarktung der Albtherme (Neugestaltung, Sauna Premium, Wellness-Stars, Schwitzer´s Bistro) auf allen "Kanälen" ausreichend?
2. Anstatt Abschaffung der Jahreskarten: Warum nicht deutliche Preiserhöhung, dafür jedoch einen VIP-Status mit besonderen Vorteilen wie beispielsweise 6 Massagen inklusive, Rabatt bei Schwitzer´s Bistro?

3. Kreativität ist gefragt, um wirklich etwas  Besonderes zu sein und sich gegenüber den "Wettbewerbern" deutlich abzuheben. Hier ist der Service entscheidend. Gute Ansätze sind durchaus erkennbar (wie z.B. Beat-Bones-Summernight). Doch siehe 1. 

Bemerkenswert, dass im Artikel der BNN dem Kurbeirat die Verantwortung für diese Entscheidung zugeschrieben wird. Wie die Vorlage des Geschäftsführers Franz Masino für den Beirat ausgesehen hat - wir wissen es nicht. Denn die Kurverwaltung ist in Waldbronn eben "Geheimsache".

Aus dem Archiv der SPD Waldbronn 2009:

Geschafft ! (13.12.):

Der Waldbronner Gemeinderat hat einstimmig einen gemeinsam mit der Verwaltung gründlich überarbeiteten erweiterten Gesellschaftervertrag für die Kurverwaltungsgesellschaft mbH beschlossen. Auslöser war der interfraktionelle Antrag von SPD, FWV und Grünen, der drei wesentliche Punkte beinhaltete wie etwa:
- mehr Transparenz im Kurbeirat
- nur noch ein Geschäftsführer (ist laut Satzung der Bürgermeister)
- Ausgaben ab einer bestimmten Höhe den Gemeinderat (= Gesellschafter) entscheiden zu lassen.
Künftig werden also die Sitzungen des Kurbeirates nicht mehr hinter verschlossenen Türen im Haus des Gastes, sondern im Sitzungssaal des Rathauses stattfinden. Alle Gemeinderäte können daran teilnehmen und sich informieren. Sofern die Tagesordnung es zulässt, werden diese Sitzungen öffentlich sein, "... soweit nicht das öffentliche Wohl und berechtigte Interessen einzelner oder vertrauliche Angaben ... der Gesellschaft entgegenstehen ..." (Zitat aus dem Vertrag). Gewisse Regularien müssen selbstverständlich eingehalten werden.
Planmäßige und überplanmäßige Ausgaben, die einen bestimmten Betrag überschreiten, bedürfen der Zustimmung des Beirates bzw. künftig ab einer bestimmten Größenordnung auch der Zustimmung der Gesellschafterversammlung (Gemeinderat). Auch Personalentscheidungen werden künftig gemeinsam getragen.
Wir sind sicher, dass wir mit diesem Vertrag wesentlich mehr Transparenz in unsere Arbeit bringen, mehr Mitsprache- und Entscheidungsrecht haben werden. Wir wollen diese Chance nutzen, um gemeinsam mit allen Gemeinderatskollegen und der Verwaltung wichtige strukturelle und auch personelle Entscheidungen in der Kurverwaltung zu lösen. Nicht alles wird von heute auf morgen umzusetzen sein, aber unsere schwierige finanzielle Situation zwingt uns zu entschiedenem Handeln. Wir sind uns aber auch bewusst, dass alles, was in den kommenden Monaten und Jahren angegangen werden muss, sehr sorgsam und umsichtig vorbereitet werden muss. Und wir sind uns auch bewusst, dass wir mit unserem Handeln nicht immer die Zustimmung der Betreffenden erwarten können. Wir sind gewählt, um zum Wohle der Gemeinde zu agieren.

(Marianne Müller, Gemeinderätin und Vorsitzende des Kurbeirats)

Es sind unsere Steuergelder...

Längst vergessen scheinen auch die Forderungen von Bürgermeister Masino, als er noch in der Opposition im Gemeinderat saß:

 

"...Transparenz und Öffentlichkeit, wie von meiner Fraktion schon immer gefordert, sollte auch im Kurbeirat Einzug halten. Deshalb war es nur logisch, dass wir von der SPD-Fraktion uns dem interfraktionellen Antrag über mehr Öffentlichkeit im Kurbeirat, initiiert von den Grünen, anschlossen. Es sind unsere Steuergelder, die Gelder der Bürger Waldbronns, mit denen jedes Risiko der Kurverwaltungs GmbH abgedeckt wird...."