Nahversorgungszentrum (Aldi-Projekt) Talstraße: Der dörfliche Charakter von Waldbronn ist Geschichte. "Wir wollen unbedingt urban sein..."

Die sehr schmeichelhafte zeichnerische Darstellung des Projekts Aldi mit rund 3.600 qm Verkaufsflächen (ALDI, dm, Rewe?) sowie rund 130 Wohnungen* mit 9.000 qm Wohnfläche mag darüber hinweg täuschen, dass eine Betonburg mit beträchtliche Ausmaßen und Höhen entsteht.


(Anmerkung: angeblich sollten es doch  "nur noch" 115 Wohnungen sein? Doch im


"VORHABENBEZOGENEN BEBAUUNGSPLAN MIT ÖRTLICHEN BAUVORSCHRIFTEN / VORHABEN- UND ERSCHLIESSUNGSPLAN  „NAHVERSORGUNGSZENTRUM TALSTRASSE”
BEGRÜNDUNG  FASSUNG ZUM SATZUNGSBESCHLUSS   MÄRZ 2020

 ist folgendes zu lesen:

"*6. Konzeption des Vorhabenträgers:
Vorgesehen ist die Errichtung eines gemeinsamen Standortes für einen Lebensmittelvollsortimentmarkt, einen Lebensmitteldiscountmarkt und einen Drogeriemarkt mit darüber liegenden Wohngeschossen, die insgesamt über eine Wohnfläche von annähernd 9.000 m² verfügen und in ca. 129 Wohnungen aufgeteilt werden sollen.")

Was also stimmt denn nun?

Unabhängig davon:
Dörflicher Charakter
ist in Waldbronn bei Bürgermeister, der Verwaltung  und Mehrheit des Gemeinderats nicht mehr erwünscht.
Es kommt hinzu, dass  - anstelle Wohnungen - Gewerbe in den Wohnblöcken möglich ist. Kurzfristig wurde folgendes gesondert bei den textlichen Festsetzungen eingefügt:
"1.2 Im Rahmen der Zweckbestimmung sind zulässig...
* Wohnungen einschließlich ergänzender, im Sinne von § 6a BauNVO nicht wesentlich störenden gewerblicher Nutzungen."

Damit sind zulässig:

1. Wohngebäude,

2. Geschäfts- und Bürogebäude,

3. Einzelhandelsbetriebe, Schank- und Speisewirtschaften sowie Betriebe des Beherbergungsgewerbes,

4. sonstige Gewerbebetriebe,

5. Anlagen für Verwaltungen sowie für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke.

(3) Ausnahmsweise können zugelassen werden

1. Vergnügungsstätten, soweit sie nicht wegen ihrer Zweckbestimmung oder ihres Umfangs nur in Kerngebieten allgemein zulässig sind,

2. Tankstellen.


Wie dies dann mit den weiteren notwendigen Stellplätzen gehandhabt werden wird: Man wird es sehen. Denn beispielsweise eine Arztpraxis wird erheblich mehr als nur 1 oder 2 Stellplätze benötigen.

 

Natürlich wurden alle Einwendungen von Bürgern im Rahmen der Offenlegung beiseite gewischt.
Und zwar für die Gemeindeverwaltung  vom Planungsbüro Piske selbst!
Die Einwendungen wurden also im Wesentlichen vom Aldi-Planer selbst "geprüft"! Da kann man sich tatsächlich die Mühe sparen, irgendwelche Einwendungen zu formulieren. Das Ergebnis steht vorher fest.

Und das Ergebnis im Gemeinderat am 29.04.2020?

Nur die Freien Wähler sowie 1 Gemeinderätin der CDU stimmten gegen den vorhabenbezogenen Bebauungsplan in dieser Größenordnung.
Und die Mehrheit der Gemeinderätinnen und -Räte?
Irgendwann in der Zukunft werden sie vielleicht sagen: "Wenn ich das gewußt hätte, wie das wirklich wird".
Doch vielleicht irrt sich auch die Minderheit der Monsterprojekt-Gegner?